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14. Oktober 2016
Redaktion

Alarmsystem Riechen

[Abo] Bei dem Ausruf: „Das stinkt zum Himmel!“ müssen nicht unbedingt rein physikalische Gerüche die Ursache sein. Auch in psychologischer Hinsicht kann diese Aussage Bedeutung haben. Beispielsweise, wenn eine Sache unwahr ist. Denn der Geruchssinn ruft unmittelbar das Erfahrungswissen ab. Warum deshalb der Geruchssinn auch für Podologen und Fußpfleger eine Rolle spielt, schildert Hildegard Schmidt, QM-Auditorin und BGW-Tutorin.



Geruch kann positive und negative Reaktionen auslösen. Dabei muss es sich nicht automatisch um Gestank handeln. Geruch kann eine Erinnerung auslösen, so dass wir uns auf etwas freuen. Zum Beispiel wird durch appetitlichen Geruch bereits vor dem Essen der biochemische Prozess für die Verdauung in Gang gesetzt. Im Umkehrschluss können andere Gerüche – aufgrund schlechter Erfahrung und in Kombination mit Erinnerung – durchaus für Übelkeit sorgen.

Frühwarnsystem: Riechen
Riechen ist individuell unterschiedlich, je nachdem, was jeder Mensch mit diesem oder jenem Geruch verbindet. Im Berufsalltag einer Fußpflegepraxis bedeutet schlechter Geruch oftmals schlechte Luftqualität. Damit wird dieser Sinn interessant als Feedbackmechanismus; fördert er doch die bewusste Wahrnehmung schlechter Luftqualität und die Initiative, für gute Luft zu sorgen. Denn erhöhter Sauerstoffgehalt der Luft verdrängt Partikel, an denen sich geruchsbildende Stoffe hängen können (Aerosole). Und wird rechtzeitig gelüftet, desto konzentrierter und ermüdungsärmer kann man arbeiten. Wenn wir mehr auf unsere „Nase hören”, ­würde wesentlich öfters Stoßlüftung für bessere Luftqualität sorgen. Raucher allerdinges haben oft einen dauerhaft eingeschränkten Zugang zu dieser Fähigkeit. Wie lästig es ist, nicht riechen zu können, wissen Sie selbst beim Schnupfen. Sind Sie erkältet, merken Sie nicht automatisch, dass die Luft in Ihrem Behandlungszimmer möglicherweise immer schlechter wird.

{pborder}Auch die Luft ist geregelt
Aus Sicht des Arbeitsschutzes gibt es Vorgaben, die gute Luft erfüllen muss. So sollte der Sauerstoffgehalt mindes-tens 21 Prozent betragen. Oder anders ausgedrückt: der CO2-Gehalt (Kohlendioxidgehalt) sollte nicht höher sein als über 0,2 Prozent beziehungsweise 2000 ppm. Mit dem CO2-Gehalt ist der wichtigste Indikator für Luftqualität ausgemacht. Um eine gute Luftqualität zu erreichen, müsste stündlich 25 m³/h frische Luft zugeführt werden. Abgestandene Luft, verbrauchte Luft, Luft mit einem Kohlendioxidgehalt von über 2000 ppm führt zur frühzeitigen Ermüdung, Aggressivität – weil die Arbeit nicht mehr gut geschafft und Fehler produziert werden – und zur erheblichen Konzentrationsschwäche. Es lohnt sich also, auf seine Nase zu hören und regelmäßig zu lüften. Und noch ein anderer Aspekt sei genannt – ein gutes Riechorgan ist das bes­te Frühwarnsystem zur Wahrnehmung von Rauch- und Brandgefahren.

Infektionsschutz
Über die Nase wird nicht nur Geruch wahrgenommen, sondern auch geatmet. Atmung und Geruch lassen sich nicht voneinander trennen. Deshalb spielt auch die Luftqualität, die wir einatmen, eine Rolle. In den Nasenschleimhäuten sitzen sensible Rezeptoren, die als Filterfunktion Schadstoffe abstoßen oder – was schlimmer ist – direkt aufnehmen können. Um sich vor Krankheitserregern zu schützen, tragen Spezialisten für Fußgesundheit einen geeigneten Atemschutz. Dies wird gelegentlich als störend empfunden, da der Geruchssinn damit „an die Leine gelegt“ wird. Der Unterschied ist spürbar, wenn Sie nach der Behandlung mit Mund- und Nasenschutz wieder ohne diese persönliche Schutzaus-rüstung atmen.

Riechen und Schmecken
Diese beiden Sinne wirken ebenso zusammen, wie beispielsweise das Riechen und Sehen – hier gilt „Das Auge isst auch mit.“ Die Wechselwirkung des Geruchs-  und des Geschmacksinns erfolgt beim Einatmen über die Verbindung mit den Geschmacksnerven im Mund. Sie wissen, dass der Appetit deutlich nachlässt, der Geschmack schwer zu definieren ist, wenn die Nase verstopft ist. Probieren Sie es selbst aus. Halten Sie Ihre Nase zu und essen Sie ein Stückchen Ihrer Lieblingsschokolade. Das macht keinen Spaß und schmeckt nicht!

Ausgabe 05/06 2016

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Foto: Eakrin/Adobe Stock
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