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14. Juli 2023
Petra Zimmermann
Kurz erklärt

Nervenschädigungen im Fuß

Wie sich Nervenschädigungen am Fuß äußern, welche Ursachen dahinterstecken können und welche Formen es gibt, erklärt der folgende Beitrag.
Grafik: Cornelia Meier/C. Maurer Fachmedien

Eine Nervenschädigung im Fuß kann durch übermäßigen Druck entstehen, wie beim Tragen enger Schuhe. Aber auch bei Schwellungen, Zerrungen oder Prellungen, einem Knick-Senkfuß oder einer arthrosebedingten Fehlstellung des Sprunggelenks können Nerven eingeklemmt und gereizt werden. Die dadurch auftretenden Schmerzen nennt man Neuralgie (Nervenschmerz).

Besonders gefährdet, an einer Nervenschädigung im Fuß zu erkranken, sind Menschen mit Diabetes mellitus. Wenn die Blutgefäße durch Blutzuckerablagerungen so weit geschädigt sind, dass sie die Nervenzellen in den Beinen nicht mehr ausreichend versorgen können, kann es zu schmerzhaften Missempfindungen und Sensibilitätsstörungen im Fuß kommen. Dies führt unter Umständen dazu, dass Betroffene nicht mehr wahrnehmen, wenn ihre Schuhe drücken.

Schmerzen im Zehenbereich und Mittelfuß

Das Morton Neurom oder die Morton Neuralgie ist eine Verdickung der Mittelfußnerven. Es verursacht akut einschießende, brennende oder stechende Schmerzen im Mittelfuß (Morton Metatarsalgie) und in den Zehen. Die Schmerzen sind so stark, dass Betroffene diese kurzfristig nur durch Ruhigstellung und eine Fußentlastung ohne Schuhe lindern können.

 

 

Foto: Akora/Adobe Stock
Das Morton Neurom ist eine Verdickung der Mittelfußnerven.

Das Morton Neurom ist eine recht häufige Folge einer Spreizfußfehlstellung. Am häufigsten sind Frauen betroffen, aber auch Männer – vor allem Laufsportler – kann es treffen. Die auftretende Verdickung ist zwischen dem 3. und 4. Zeh zu finden, etwas seltener zwischen dem 2. und 3. Zeh (vom Großzeh bis zum kleinen Zeh gezählt).

Behandlung

Viele Betroffene können sich durch spezielle physiotherapeutische Übungen selbst helfen. Die exakte Diagnose durch orthopädische Fußspezialisten ist aber wichtig, um die Schmerzen und Einschränkungen zu lindern.

Schmerzen in der Fußsohle

Beim Tarsaltunnelsyndrom wird der Schienbeinnerv durch ein Band eingeengt, das zwischen Innenknöchel und Fersenbein aufgespannt ist. Der Schienbeinnerv sorgt für die Gefühlsempfindung der Fußsohle. Bei Einengung kann das zu einschießenden Schmerzen, Brennen, Taubheit oder Ameisenlaufen im Fuß führen. Wird der Schienbeinnerv beklopft, löst das ein elektrisierendes Gefühl aus.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt in erster Linie konservativ mit gezielter Trainingstherapie und schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten (ggf. durch Injektion). So soll der Druck vom Nerv abnehmen. Schlimmstenfalls ist eine OP notwendig, bei der das den Schienbeinnerv einengende Band durchtrennt wird.

Polyneuropathie in Füßen und Beinen

Unter dem Begriff Polyneuropathie wird eine Gruppe von Erkrankungen zusammengefasst, bei denen es zu Schädigungen des peripheren Nervensystems kommt. Dadurch ist die Weiterleitung von Informationen zwischen Gehirn, Rückenmark und dem Rest des Körpers gestört. Die Auslöser können vielfältig sein, zu den häufigsten zählen Diabetes mellitus Typ 2, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.

Symptome sind Empfindungsstörungen, Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen und „Ameisenlaufen“, die anfangs in den Zehen, später an beiden Füßen und Beinen auftreten. Auch Störungen des Berührungs-, Schmerz- oder Temperaturempfindens sind möglich. Trotz aller diagnostischen Fortschritte bleibt die Ursache in jedem fünften Fall unklar („idiopathische Neuropathie). Ärzte können dann nur die Symptome behandeln. Unabhängig von der Ursache gilt: Je früher eine Polyneuropathie erkannt und behandelt wird, umso besser.

Auszüge aus einem Interview mit Prof. Dr. med. Andreas Straube, Neurologie des Universitätsklinikums Großhadern, LMU.

Wie hängen Gehirn und Nerven zusammen?
Prof. Dr. med. Andreas Straube: Im Grunde ist das Gehirn eine einzige große Informationszentrale. Zum Beispiel besteht das Großhirn aus einem Netzwerk von mehr als zehn Milliarden Nervenzellen, die mit ihren Ausläufern, den Nervenfasern, miteinander verflochten sind. Fortlaufend erreichen Informationen über die Nervenbahnen aus dem Rückenmark und den Hirnnerven das Gehirn, das Gehirn wiederum schickt Informationen und Befehle weiter, ebenfalls über das Rückenmark und die Nerven. Nervenzellen spielen im gesamten Körper eine Rolle, sie steuern auch innere Organe wie Herz oder Darm. Letztlich beruhen alle Empfindungen und Bewegungen auf der koordinierten Aktivität von Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark.

Wie lassen sich generell Nervenzellen unterscheiden?
Prof. Dr. med. Andreas Straube: Sie lassen sich auf dem Boden ihrer Form und Funktion in verschiedene Unterformen unterscheiden. Zum Beispiel: Sensorische Zellen tragen bzw. bilden Kontakt aus mit spezifischen Rezeptoren, die zum Beispiel auf Druck, Schmerzreize, Licht oder Bewegung reagieren und so zum Beispiel den Schall wahrnehmen können. 

Was passiert in den Nervenzellen?
Prof. Dr. med. Andreas Straube: Untersucht man das Innere einer Nervenzelle, so findet man dort eine andere Konzentration von Salzen (Ionen) als in der Umgebung. So sind im Zellinneren relativ viele Kaliumionen und weniger Natriumionen. Nach außen ist die Nervenzelle durch eine Isolierschicht begrenzt, die durch Ionenkanäle durchbrochen wird. Diese Kanäle können sich auf ein Signal (elektrisch oder chemisch) kurzzeitig öffnen, sodass dann Ionen aus- und eintreten.

Wie kann man Nervenzellen stärken?
Prof. Dr. med. Andreas Straube: Alles, was das Herzkreislaufsystem stärkt, ist auch gut für Nervenzellen, weil sie so gut durchblutet bleiben: viel Bewegung, normale Blutdruckwerte, geistig rege bleiben und nicht rauchen. Alkohol in hohen Dosierungen führt zu vermehrten Gefäßschäden, in normalen, niedrigen Dosierungen wirkt es jedoch eher Gefäßprotektiv. Möglicherweise wirkt Vitamin B12 und Folsäure auch schützend. Wegen seiner immun-modulatorischen Eigenschaften ist auch das Vitamin D zuletzt vermehrt in den Fokus gerückt.

Was kann Nervenzellen schwächen?
Prof. Dr. med. Andreas Straube: Nervenzellen brauchen zur Aufrechterhaltung der Differenz ihrer Ionenkonzentration zwischen Innen und Außen viel Energie. Alles, was diese Energiebereitstellung stört, führt zu einer Störung der Nervenzellfunktion. Wenn die Störung des Energiehaushaltes zu stark ist, können beispielweise zu viele Kalziumionen einfließen und damit die Nervenzelle durch Aktivierung von Abbauprozessen zum Absterben bringen.

Wodurch werden Nervenzellen am häufigsten beschädigt?
Prof. Dr. med. Andreas Straube: Periphere Nerven können durch die unterschiedlichsten Krankheiten und Stoffe geschädigt werden und dadurch schmerzen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Zuckerkrankheit
  • Alkoholismus
  • Medikamente wie Zytostatika und Virustatika
  • Infektionskrankheiten wie Gürtelrose (Varizella zoster Virus), Borreliose (durch Zeckenübertragen), AIDS (HI-Virus) oder Lepra.
  • In vielen Fällen führt aber auch direkter Druck auf diese peripheren Nerven im Rahmen einer Verletzung (z.B. Oberarmbruch, Gipsschalen am Knie) zu einer Störung.

Das gesamte Interview lesen Sie auf der Website des Bayerischen Rundfunks.

Foto: privat
Petra Zimmermann ist Fachjournalistin und Buchautorin. Seit 2006 schreibt sie für die Themenbereiche Orthopädie, Podologie und Nachhaltigkeit. Als Buchautorin beschäftigte sie sich u. a. mit der Entwicklung des Kinderfußes. Vorher war sie für Zeitschriften aus der Gesundheitsbranche sowie für diverse Kundenzeitschriften und Tageszeitungen tätig.
Foto: Eakrin/Adobe Stock
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