Das Jahreszielplanbuch – Begleiter für das ganze Jahr
[Abo] Wer die zukünftige Entwicklung seiner Praxis nicht dem Zufall überlassen, sondern diese bewusst steuern möchte, sollte als Podologe zum Jahreswechsel einen detaillierten Jahreszielplan für das kommende Jahr erstellen.
Der Jahreszielplan dient dazu, konkrete Praxisziele für das kommende Jahr zu formulieren und zugleich die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung zu schaffen. Birgit Hallmann erklärt, wie das geht.
Die Erstellung eines Jahreszielplans lässt sich mit den folgenden sechs Fragen meist sehr gut strukturieren. Die Fragen dienen dazu, positive und negative Erfahrungen der Vergangenheit für die Planung des Folgejahrs zu nutzen, nicht erreichte Ziele in das Folgejahr vorzutragen und neue Ziele für das kommende Jahr zu formulieren.
Frage 1: Welche Ziele hatten wir uns für das vergangene Jahr gesetzt und welche Ziele haben wir auch tatsächlich erreicht?
Betrachten Sie alle Ziele, die Sie sich für das abgelaufene Jahr gesetzt hatten und kennzeichnen Sie alle erreichten Ziele mit einem grünen Smiley. Ziele die noch nicht vollständig erreicht wurden, bei denen aber Fortschritte gemacht wurden, können sie mit einem gelben Smiley versehen. So lenken Sie den Fokus zunächst ganz bewusst auf die Erfolge des abgelaufenen Jahres.
Frage 2: Was haben wir im vergangenen Jahr besonders gut gemacht?
Erstellen Sie eine Liste der Dinge, die im vergangenen Jahr besonders gut funktioniert haben. Vielleicht gab es ein besonders positives Feedback von Patienten oder Lob für eine besonders gelungene Aktion. Vielleicht hat ein gutes Beschwerdemanagement dazu geführt, dass verärgerte Patienten schnell zufriedengestellt werden konnten und der Praxis treu geblieben sind. Notieren sie derartige Erfolge, freuen sie sich über die guten Leistungen und überlegen sie, ob sich Erkenntnisse aus diesen positiven Ereignissen auf andere Ziele übertragen lassen.
Frage 3: Was hätten wir im vergangenen Jahr anders machen sollen?
Es wird immer Dinge geben, bei denen sich rückblickend zeigt, dass es eine bessere Vorgehensweise gegeben hätte. Wenn es im vergangenen Jahr solche Situationen gegeben hat, so überlegen Sie, welche Erkenntnisse daraus für die Zukunft gezogen werden können. Dann ist der erste Schritt zu einer zukünftigen Verbesserung bereits getan.{pborder}
Frage 4: Worüber haben sich unsere Patienten im vergangenen Jahr am häufigsten beschwert?
Wenn sich Patienten beschweren, ist das fast immer ein Zeichen, dass Verbesserungsbedarf in der Praxis besteht, den man selber nicht erkannt hat – vor allem wenn sich mehrere Patienten aus demselben Grund beschwert haben. Beschwerden bieten die Chance, den Service und die Patientenfreundlichkeit zu verbessern, denn jede Beschwerde ist im Grunde ein kostenloser Verbesserungsvorschlag aus dem Patientenkreis. Als Podologe sollte man froh über jede offen geäußerte Kritik sein, denn so besteht die Möglichkeit, den Kritikpunkt zu beseitigen. Der Patient hätte ja auch kommentarlos zu einer anderen Praxis wechseln können, ohne Ihnen Gelegenheit zur Wiedergutmachung zu geben. Bei einer zur Zufriedenheit des Patienten geregelten Reklamation bestehen gute Chancen, dass der Patient der Praxis weiterhin treu bleibt. Notieren sie daher, worüber sich Patienten im vergangenen Jahr am häufigsten beschwert haben und überlegen sie gemeinsam, wie dies zukünftig vermieden oder besser aufgefangen werden kann.
Frage 5: Was verursacht bei den Mitarbeitern Stress und was können wir dagegen tun?
Neben wirtschaftlichen Überlegungen gibt es noch ein weiteres wichtiges Ziel für die Jahresplanung – nämlich die Beseitigung von Stressfaktoren, die Ihren Mitarbeitern derzeit die Arbeit erschweren. Häufig sind es kleine Dinge, die einzeln eher unbedeutend erscheinen und deshalb im Alltag nicht weiter beachtet werden. In der Summe können aber auch viele kleine Ärgernisse die Mitarbeiter spürbar belasten und das Klima im Team negativ beeinflussen. Bitten Sie daher jeden Mitarbeiter, die Dinge zu benennen, die bei ihm derzeit am meisten Stress und Ärger verursachen. Halten Sie diese Stressfaktoren schriftlich fest und überlegen Sie, wie Sie im kommenden Jahr möglichst viele Faktoren beseitigen können. Das signalisiert: „In unserem Team ist jeder wichtig und wir legen großen Wert darauf, dass sich alle Teammitglieder bei uns wohlfühlen.“ Mitarbeiter, die sich auf diese Weise wertgeschätzt fühlen, sind zufriedener, motivierter und zeigen mehr Leistungsbereitschaft. Sie werden dann auch alle anderen Ziele engagierter und optimistischer angehen.
Frage 6: Welche Ziele wollen wir im kommenden Jahr erreichen?
Im letzten Schritt geht es darum, konkrete Ziele für das kommende Jahr zu definieren. Die Planung des Folgejahrs erfolgt im Interesse der Übersichtlichkeit getrennt nach den einzelnen Bereichen Ihrer Praxis. Die wichtigsten Planungsbereiche sind in den meisten Fällen die Bereiche Marketing und Dienstleistungsangebot, Arbeitsabläufe, Einkauf, Mitarbeiter, Fortbildungsmaßnahmen und Finanzierungsfragen. Formulieren Sie Ihre Ziele und Maßnahmen für diese Bereiche so konkret und messbar wie möglich, damit die Zielerreichung im Folgejahr eindeutig gemessen und überprüft werden kann. „Wir wollen mehr Patienten gewinnen.“ ist ein ungenauer Wunsch. „Wir wollen die Patientenzahl im kommenden Jahr um 10 Prozent steigern.“ ist dagegen ein messbares Ziel. Bestimmen Sie für jede Maßnahme einen genauen Termin und eine für die Umsetzung verantwortliche Person. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass die Ziele im „Alltagsgeschäft“ nicht wieder in Vergessenheit geraten und geplante Maßnahmen aus zeitlichen Gründen nicht immer wieder verschoben werden. Idealerweise steht am Ende des Planungsprozesses ein Jahreszielplan, der für jedes Ziel beziehungsweise für jede Maßnahme die Frage beantwortet „Wer macht was bis wann?
Das Jahreszielplanbuch
Als „Jahreszielplanbuch“ eignet sich am besten ein Ordner, der durch ein Regis-ter in die einzelnen Planungsbereiche unterteilt wird. Hier werden alle Ziele und Maßnahmen schriftlich fixiert und sind auf diese Weise jederzeit für jeden nachlesbar.
Mitarbeiter einbeziehen
Die Erstellung des Jahreszielplans ist in den meisten Fällen Chef- und Teamsache zugleich. Nur wenn alle Mitarbeiter Gelegenheit haben, ihre Ideen und Vorschläge in die Planung einzubringen und die Jahresziele allen Mitarbeitern bekannt sind, hat der Jahresplan optimale Chancen auf eine vollständige und termingerechte Umsetzung. Durch die gemeinsame Erarbeitung des Jahreszielplans können Sie zudem das Ideen- potenzial Ihrer Mitarbeiter optimal nutzen, die Identifikation mit den Zielen erhöhen und eine starke Motivation für die Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten Ziele wecken.
Kontrolltermine festlegen
Legen Sie bei der Erstellung des Jahreszielplans bereits unterjährige Kontrolltermine für das Planungsjahr fest, an denen die Zielerreichung überprüft wird und gegebenenfalls Anpassungen vorgenommen werden. Die Planung ist somit kein einmaliger Vorgang zum Jahreswechsel, sondern ein fortlaufender Prozess, der sich über das ganze Jahr erstreckt. Das Jahreszielplanbuch wird Ihr ständiger Begleiter für das ganze Jahr. «
Anschrift der Verfasserin:
Birgit Hallmann
Ernst-Strobach-Platz 1, 31535 Neustadt
Ausgabe 01-02 / 2018
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