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10. März 2023
Redaktion

ePA: Potenziale stärker nutzen

Nutzerfreundlich, gut strukturiert, bestmöglicher Datenschutz und für wissenschaftliche Nutzung geeignet – so sollte die elektronische Patientenakte (ePA) konzipiert sein. Davon sei die jetzige Version allerdings noch deutlich entfernt, hält die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) in einem neuen Positionspapier fest.
Foto: sdecoret/Adobe Stock

Seit 2021 steht die elektronische Patientenakte (ePA) zur Verfügung, um personenbezogene Gesundheitsdaten zusammenzufassen und gebündelt zugänglich zu machen. Außerdem sollen die Daten auch für die wissenschaftliche Nutzung zur Verfügung stehen. Allerdings ist die Nachfrage der Patientinnen und Patienten bisher aus verschiedenen Gründen sehr überschaubar. In die Debatte um die Weiterentwicklung der ePA bringt sich die DEGAM nun mit einem neuen Positionspapier ein. Darin wird das bisherige Zugangs- und Nutzungskonzept als wenig praxistauglich kritisiert. Gleichzeitig werden konkrete Vorschläge zur Verbesserung gemacht.

Vorteile der ePA werden nicht genutzt

„Theoretisch eignet sich die ePA sehr gut dafür, die medizinische Versorgung zu verbessern: alle relevanten Patientendaten werden an einer Stelle zusammengeführt und stehen auch im Notfall sofort zur Verfügung. Praktisch werden diese Vorteile momentan jedoch nicht eingelöst“, sagt Prof. Martin Scherer, Präsident der DEGAM. „Wenn die ePA mit aktuellen, verlässlichen und umfassenden Daten gefüllt ist, ist das auch ein guter Schutz vor Über-, Unter- und Fehlversorgung. Wir brauchen solche ressourcenschonenden Konzepte, um unnötige medizinische Maßnahmen zu vermeiden.“ Meier

Verbesserungsvorschläge, um das Potenzial der ePA voll auszuschöpfen

In ihrem Positionspapier listet die DEGAM konkrete Verbesserungsvorschläge auf:

  • Strukturierte Datenübertragung (aus und in die hausärztliche Praxissoftware), um Daten nicht manuell übertragen zu müssen
  • standardisierte Ablage mit Filter-, Sortier- und Suchmöglichkeiten für mehr Übersichtlichkeit
  • einheitlicher Startbildschirm für die wichtigsten Informationen

Das oft kontrovers diskutierte Thema Datensicherheit und -schutz spielt im DEGAM-Positionspapier ebenfalls eine Rolle: Um unbefugte Zugriffe auf die ePA zu verhindern, muss es ein höchstmögliches Schutzkonzept geben sowie klare Haftungsregelungen und Sanktionen für möglichen Datenmissbrauch. Klar ist für die DEGAM auch, dass die Patientinnen und Patienten im Rahmen ihres Rechtes auf informationelle Selbstbestimmung dauerhaft die Verfügungsgewalt über alle personenbezogenen Gesundheitsdaten, die in der ePA zusammengefasst sind, haben müssen.

Feste Regeln zur wissenschaftlichen Datenauswertung

Im Positionspapier setzt sich die DEGAM auch mit Regelungen zur wissenschaftlichen Begleitung der ePA sowie mit der Auswertung von Patientendaten zur wissenschaftlichen Nutzung auseinander und spricht sich für rechtsverbindliche und praktikable Regeln zur wissenschaftlichen Auswertung der Daten aus.

So müsse zum Beispiel Datenfelder vollständig, transparent und einheitlich gestaltet sein. Außerdem müsse es für die Forschenden Rechtssicherheit bei der Nutzung von ePA-generierten Daten geben.

Für die evidenzbasierte Evaluation der Akzeptanz der Nutzerinnen und Nutzer macht die DEGAM ebenfalls Vorschläge: „Es ist sinnvoll, die Nutzung der ePA wissenschaftlich zu begleiten. Damit können Rückschlüsse auf bestehende Barrieren oder Umsetzungsdefizite gezogen werden. So lässt sich die ePA für die Zukunft weiterentwickeln, damit sie nicht weitere zwei Jahre nahezu ungenutzt bleibt“, kommentiert Pascal Nohl-Deryk, Sprecher der Sektion Digitalisierung der DEGAM, in der das Positionspapier federführend erarbeitet wurde.

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin e. V.

Foto: Eakrin/Adobe Stock
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