Folgen Sie uns
14. Februar 2023
Redaktion
Globale Sturzleitlinie

Krankenhauseinweisungen reduzieren

Vor einigen Monaten wurde die erste globale Leitlinie zur Sturzprävention veröffentlicht. Sie soll die Zahl der Krankenhauseinweisungen um 20 Prozent senken..
Alte
Foto: Racle Fotodesign/Adobe Stock

Daran mitgewirkt haben insgesamt 96 Forschende aus 39 Ländern – darunter einer aus Deutschland: der Altersmediziner Professor Clemens Becker, Sturz-Experte der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). „Uns ist es nach zwei Jahren Arbeit erstmals gelungen, einen globalen Konsens zu schaffen für die Prävention, Diagnostik und Therapie von Stürzen“, sagt der Altersmediziner. Jährlich gebe es in Deutschland eine halbe Million Krankenhauseinweisungen, die unmittelbar auf einen Sturz zurückzuführen sind. Viele ältere Menschen versterben an den Folgen.

„Durch eine frühzeitige Prävention – also gezielter Vorsorge – könnten wir die Zahl der Einweisungen um 20 Prozent reduzieren“, erklärt Becker. Dafür haben die Expert*innen nun neue Empfehlungen aufgestellt, die sämtliche soziodemografischen Unterschiede der Weltbevölkerung berücksichtigen. Veröffentlicht wurde die neue Leitlinie heute im Rahmen des Kongresses der European Geriatric Medicine Society (EuGMS) in London.

Die aktuelle Herausforderung: Stürze und sturzbedingte Verletzungen kommen bei älteren Erwachsenen häufig vor – mit oftmals negativen Auswirkungen auf die funktionelle Unabhängigkeit und Lebensqualität. Damit einher gehen in der Gruppe der Über-65-Jährigen eine steigende Krankheitshäufung, eine erhöhte Sterberate sowie steigende gesundheitsbezogenen Kosten. Zudem sind bisher gültige Präventions- und Behandlungsrichtlinien uneinheitlich.

Mit den „World Falls Guidelines“ (PDF, englisch) stellen die Expertinnen und Experten eine Reihe von evidenz- und konsensbasierten Empfehlungen zur Sturzprävention und -behandlung für ältere Erwachsene zur Verfügung, die insbesondere den medizinischen Fachkräften neue Möglichkeiten bieten.

Jährliche Hausarzt-Befragung und Ganganalyse

Insbesondere für Industrieländer wie Deutschland ergeben sich nun folgende Empfehlungen:

  • Alle älteren Erwachsenen sollten wesentlich umfänglicher als bisher zur Sturzprävention und körperlichen Aktivität beraten werden.
  • Mindestens einmal im Jahr sollte der Hausarzt betroffene Patienten nach Stürzen oder Sturzrisiken befragen.
  • Zur Untersuchung sollte auch eine Ganganalyse gehören.
  • Betroffene sollten eine gezielte Physiotherapie und Übungsprogramme durchlaufen.
  • Insbesondere für ältere Menschen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeheimen soll es eine auf den individuellen Gesundheits- oder Krankheitszustand zugeschnittene Prävention für das Sturzrisiko geben.

Multifaktorielles Risiko-Assessment: Jede ältere Person wird untersucht

Weitere Empfehlungen der neuen globalen Sturzleitlinie umfassen Einzelheiten zu Bewertungs- und Interventionskomponenten sowie -kombinationen.

„Uns war es wichtig, einmal genau zu definieren, was medizinisch als Sturz oder auch schwerer Sturz klassifiziert werden kann und wie dann mit den Betroffenen genau umgegangen werden sollte“, sagt Clemens Becker. „Von einer schlanken bis umfassenden Bewertung des Gesundheitszustandes eines Patienten ist ja grundsätzlich alles möglich.“

Der Konsens der beteiligten Autoren: Jede ältere Person – auch jene ohne erkennbare Verletzungen – mit Gebrechlichkeitserscheinungen oder Schwierigkeiten, selbstständig aufzustehen, wird tiefergehend untersucht. „Bisher wurden die Menschen nur bei Verletzungen oder wiederholten Stürzen umfassender untersucht“, erklärt Becker. Wie solch ein multifaktorielles Risiko-Assessment genau auszusehen hat, wird in der neuen Leitlinie genau ausgeführt. „Ein Hausarzt sollte drei bis sechs Monate im Anschluss den Zustand des Patienten erneut prüfen.“

Nationaler Aktionsplan: Geriatrische Ambulanzen für präzise Prävention

Die neuen Empfehlungen zur Sturzprävention und -behandlung berücksichtigen insbesondere die folgenden Aspekte:

  • Einen personenzentrierten Ansatz, der die Perspektiven älterer Erwachsener einschließt – auch in Bezug auf Betreuer und andere Interessensgruppen.
  • Vorhandene Lücken in früheren Leitlinien sollen geschlossen werden.
  • Jüngste Entwicklungen im Bereich der elektronischen Gesundheitsdienste werden mit einbezogen.
  • Und Standorten mit begrenztem Zugang zu Ressourcen – dazu zählen Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen – werden implementiert.

„Damit ist uns methodisch eine Rundumbeleuchtung der Sturzprävention und -behandlung gelungen, die sämtliche Bevölkerungsschichten auf dem Globus einbezieht“, so Becker. Wichtig sei das, da Stürze bei älteren Menschen vor allem in einkommensschwachen Kreisen vorkämen. Der Stuttgarter Mediziner plädiert dafür, dass nach dem Vorbild der geriatrischen Rehabilitation nun verstärkt in geriatrische Institutsambulanzen als Anlaufstelle für ältere Patienten investiert werden sollte.

 

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG)

Krankenkassen erhalten mehr Hinweise auf Korruption

Die Krankenkassen haben 2016 und 2017 deutlich mehr Hinweise auf mögliche Korruption und andere finanzielle Unregelmäßigkeiten erhalten als in den Jahren zuvor. Bei den Fehlverhaltensbekämpfungsstellen der Kassen seien gut 25.000 derartige Meldungen von extern eingegangen, teilte der GKV-Spitzenverband  bei der Vorstellung des Tätigkeitberichtes „Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen im Berichtszeitraum 2016/2017“. Er beschreibt die Schwerpunkte der Arbeit im abgeschlossenen Berichtszeitraum, führt die Ergebnisse der Tätigkeitsberichte mit. Im Zeitraum 2014/2015 seien es lediglich rund 16.800 gewesen. Somit gab es einen Anstieg von innerhalb von zwei Jahren von 4191 Fällen.

Lesen Sie weiter in
5
Foto: Eakrin/Adobe Stock
Draufsicht
Zurück
Speichern
Nach oben